Werke
Marina Abramovic / Ulay
Marina Abramovic: *1946 in Belgrad (YU); lebt und arbeitet seit 1975 in Paris und Amsterdam
Ulay (F. Uwe Laysiepen): *1943 in Solingen; lebt und arbeitet in Amsterdam
Light/Dark (studio performance), 1978
Video, 9 Min., 18 Sek.,
basierend auf der Performance „Light/Dark“, Köln 1977
Courtesy: The Netherlands Media Art Institute, Montevideo/Time Based Arts, Amsterdam
Das Video „Light/Dark“ zeigt die im Studio nachgestellte Performance, die Marina Abramovic und Ulay 1977 im Rahmen der Köln Messe aufführten. Sie besteht in einer simplen Handlung: Das Paar kniet einander gegenüber und ohrfeigt sich abwechselnd. Beide Gesichter werden dabei von einem grellen Licht angestrahlt, so dass sich die beiden Akteure – durch das Licht geblendet – nicht sehen können. Das zunächst stoisch wirkende Ritual gewinnt zunehmend an Tempo. Es endet damit, dass Abramovic den Kopf senkt, um dem Schlag auszuweichen. Jenseits von Aggressivität loten Abramovic und Ulay mit ihrer Performance die Schwellen zwischen Hemmung, Respekt und Grenzüberschreitung aus.
Valérie Belin, *1964 in Boulogne-Billancourt (FR); lebt und arbeitet in Paris
Ohne Titel, 2000
Serie mit sechs Schwarz-Weiß Fotografie, je 161 x 125 cm
Courtesy: Galerie Xippas Paris
Valérie Belins Serien aus Schwarz-Weiß Fotografien sind von barocker Opulenz und strenger Nüchternheit zugleich. Sie zeigen Objekte und Figuren vor schwarzem oder weißem Hintergrund: Blumen, Kampfhunde, Bodybuilder, Autowracks oder die Porträts von Schaufensterpuppen. Jedes Objekt bzw. Modell – sei es ein profaner Motor oder ein reich verzierter venezianischer Spiegel – gerät in Belins Fotografien zur glanzvollen Erscheinung, die jedoch leblos, wie unter einem Vakuum konserviert wirkt. Die in der Ausstellung zu sehenden prachtvoll gekleideten marokkanischen Bräute verschwinden fast hinter ihrer aufwändig herausgeputzten Exponiertheit. Sie scheinen vollständig im Diktat des Ornaments aufzugehen.
Gary Carsley, *1957 in Australien; lebt und arbeitet in Amsterdam und Sydney
Central Park New York, 2004
C-Print auf Aludibond, Monoprint, 2-teilig, je 211 x 119 cm
Courtesy: Sabine Schmidt Galerie, Köln
Kurnell, Sydney, 2004
C-Print auf Aludibond, Monoprint, 117 x 164 cm
Courtesy: Sabine Schmidt Galerie, Köln
Fitzroy Gardens Melbourne (Blick aus Captain Cooks Cottage), 2003
C-Print auf Aludibond, Monoprint, 115 x 196 cm
Courtesy: Sabine Schmidt Galerie, Köln
Stowe Landscape Park (Buckinghamshire, UK), 2005
C-Print auf Reynobond, laminiert,
Triptychon, Edition 1, 210 x 340 cm
Courtesy: TORCH Gallery, Amsterdam
Sane Guruji Park (Mumbai), 2005
C-Print auf Reynobond, laminiert, Holz-
Rahmen, 140 x 120 cm (gerahmt 165 x 144 cm)
Courtesy: TORCH Gallery, Amsterdam
In Gary Carsleys Landschaftsbildern tritt die Natur auf gleich mehrfache Weise hinter dem Dekor zurück. Es handelt sich um digital hergestellte Intarsien, die nicht die Materialität von Holz, sondern von Laminat imitieren. Sie entstehen nach der Vorlage von Fotografien, die Gärten und Parkanlagen – also gestaltete Natur – zeigen. So findet der Baum, dessen Anordnung im Park bereits dem Kamerablick unterstellt ist, im Laminat, jenem auf Fotografie basierenden Holzimitat, scheinbar zu sich selbst. Und doch ist er nur Bestandteil einer aus Pixeln aufgebauten Illusion.
Die Parks, auf die Carsley Bezug nimmt, sind bewusst ausgewählt worden. So steht der 1858 von Frederick Law Olmsted und Calvert Vaux gestaltete Central Park nicht nur für die Entsprechung eines wohl dosierten Naturbedürfnisses des bürgerlichen Städters, sondern gilt auch seit den 1970er Jahren als einer der berühmtesten „Cruising-Parks“ für homosexuelle Männer.
Den verschiedenen Parks in Australien, deren Entstehung Carsley recherchiert hat, ist wiederum die Geschichte der Kolonialisierung deutlich eingeschrieben. So entstand der Kurnell Park auf einer Fläche, die im 18. Jahrhundert zunächst mit einer aus Europa importierten Flora und Fauna als Ackerland nutzbar gemacht worden war. Den Park hatte man mit Obelisken und Statuen – Zeugnissen und Symbolen der europäischen Okkupation – ausgestattet. Seit den 1970er Jahren ist man schließlich bemüht, die Landschaft wieder in ihren ursprünglichen Zustand – so, wie sie einst von Captain Cook entdeckt worden war – zurückzuführen.
Auch der Sane Guruji Park in Mumbai folgt den westlichen Idealen von Natur: Er wurde nach dem traditionellen Modell des englischen Landschaftsgarten gestaltet – mit dem einzigen Unterschied, dass er vollständig eingezäunt und somit nicht betretbar ist.
Daniel Herskowitz, *1966 in Washington, D.C. (USA); lebt und arbeitet in New York
Conference on Human Ethology, 2003
Video, Farbe, Ton, 46 Min.
Courtesy: der Künstler
Fitness, 2003
Video, Farbe, Ton, 7 Min.
Courtesy: der Künstler
Die beiden Videoarbeiten von Daniel Herskowitz gehen Strukturen des Erzählens und des Überzeugens nach. In „Conference on Human Ethology“ beobachtet die Kamera das Aufeinanderprallen verschiedener Teilnehmer einer Konferenz, die wir über ihre Geschichten und über die Art und Weise, wie sie diese erzählen, kennenlernen.
In „Fitness“ tragen vier Männer ihre Diskussion über Migration in der Umkleidekabine eines Fitnesscenters aus: Einer Zwischenwelt, die weder von bestechender Rationalität noch von direkter Erfahrung geprägt ist.
Teresa Hubbard / Alexander Birchler
Teresa Hubbard : *1965 in Dublin, Irland
Alexander Birchler : *1962 in Baden, Schweiz.
leben und arbeiten in Austin, Texas.
House with Pool, 2004
Video-Projektion, 16:9 NTSC, Zweikanal-Stereo, High Definition-Video mit Ton
übertragen auf DVD, 20 Min. 39 Sek., Loop
Courtesy: die Künstler
„House with Pool“ ist eine mit unaufhaltsamer Dynamik verlaufende Verkettung zahlreicher potentieller Begegnungen – und zugleich eine Erzählung über das Nicht-Begegnen: von Personen, von Vergangenheit und Gegenwart, Innen und Außen, Bewusstem und Unbewussten, Hören und Sehen. All diese parallelen Anwesenheiten, sind gerade in ihrem permanenten sich verpassen wie ein Perpetuum Mobile miteinander verschränkt. Die Protagonisten sind eine Frau, Mitte vierzig, eine weitere Frau, noch keine zwanzig und ein Gärtner, Anfang dreißig. Die beiden Frauen sind weiß. Die Jüngere ist der Älteren wie aus dem Gesicht geschnitten. Der Gärtner ist dunkelhäutig. Er ist anders, als die beiden Frauen. Fremd ist sich hier jedoch jeder. Das wortlose Geschehen ereignet sich auf einem eingezäunten Grundstück mit Haus, Pool und Garten. Es sind Objekte, Handlungen, Geräusche und Klänge, die wie Indizien den Fluss der Erzählung vorantreiben.
Loretta Lux, *1969 in Dresden, lebt in Monaco
Study of a girl 1, 2002
Ilfochrome-Abzug, Holzrahmen, 66 x 51 cm
Courtesy: TORCH Gallery Amsterdam
Study of a girl 2, 2002
Ilfochrome-Abzug, Holzrahmen, 51 x 51 cm
Courtesy: TORCH Gallery Amsterdam
Hidden rooms 1, 2001
Ilfochrome-Abzug, Holzrahmen, 51 x 51 cm
Courtesy: TORCH Gallery Amsterdam
Hidden rooms 2, 2001
Ilfochrome-Abzug, Holzrahmen, 51 x 51 cm
Courtesy: TORCH Gallery Amsterdam
Girl with a teddybear, 2001
Ilfochrome-Abzug, Holzrahmen, 66 x 51 cm
Courtesy: TORCH Gallery Amsterdam
Girl with a loaf of bread, 2001
Ilfochrome-Abzug, Holzrahmen, 66 x 51 cm
Courtesy: TORCH Gallery Amsterdam
Study of a boy 2, 2002
Ilfochrome-Abzug, Holzrahmen, 51 x 51 cm
Courtesy: TORCH Gallery Amsterdam
The Rosegarden, 2001
Ilfochrome-Abzug, Holzrahmen, 51 x 51 cm
Courtesy: TORCH Gallery Amsterdam
Geradezu unheimlich muten die digital manipulierten Kinderporträts von Loretta Lux an. Ihren Gesten und Haltungen ist das Erwachsensein bereits eingeschrieben. Dennoch – oder gerade deshalb – bleibt es ihnen verwehrt, sich als Projektionsfläche bürgerlicher Kindheitsvorstellungen zu entziehen. Irgendwo in dieser Ortlosigkeit zwischen frühreifer Souveränität und totalitärer Fremdbestimmung scheinen sie verloren gegangen zu sein.
Frédéric Moser / Philippe Schwinger
Frédéric Moser: *1966, Philippe Schwinger: *1961, leben in der Schweiz
Acting Facts, 2003
DVD, Monoband, 9 Min. 40 Sek., Loop
Performer: Roger Tebb
Courtesy: PLAY gallery, Berlin
Die Videoarbeit „Acting Facts“ nimmt Bezug auf ein konkretes historisches Ereignis: das Massaker, das US-amerikanische Soldaten 1968 in dem vietnamesischen Dorf My Lai an rund 500 ZivilistInnen verübten. Dieses Ereignis, das erst anderthalb Jahre später an die breite US-amerikanische Öffentlichkeit drang, ist durch Bilder eines Kriegsfotografen dokumentiert worden. Darüber hinaus existieren Augenzeugenberichte, die im Zuge des so genannten „Peer Panels“, das man schließlich zur rechtlichen Klärung des Vorfalls einberief, protokolliert worden waren. In „Acting Facts“ spielt ein Schauspieler vor der Kulisse eines Waldes verschiedene Situationen, die in den My Lai Akten beschrieben werden, auf eindruckvolle Weise nach. Der Darsteller trägt neutrale Kleidung und verfügt über keinerlei Requisiten. Dennoch breitet er das Drama detailreich vor unserem geistigen Auge aus. Emotionalität, Betroffenheit und Fassungslosigkeit finden hier erst in der theatralischen Überzeichnung ihre Sprache.
Moser und Schwinger haben sich, neben „Acting Facts“, auch in ihrer Installation „Capitulation Project“ mit dem Massaker von My Lai beschäftigt.
Shahryar Nashat, *1975, Schweiz/Iran
All the Way Back, The Reconstruction, 2001
Zweikanal-Video/Audio-Installation,
Länge variabel, Loop, Courtesy: der Künstler
Ein Mann flüchtet aus einem Raum und lässt einen Mann zurück, der auf einem Bett liegt. Entlang dieser „Fakten“ entfaltet sich in Shahryar Nashats Videoinstallation „All The Way Back, The Reconstruction“ eine potentielle Horrorgeschichte, die in ihrem traumatischen Fortkommen beständig auf der Stelle tritt und deren Bilder primär in der Imagination des Betrachters entstehen (siehe Skript).
Carolina Saquel, RCH/FR
Pentimenti, 2004
Videoprojektion, DVD, Stereo, 8 Min. 55 Sek., Loop
Courtesy: Carolina Saquel, Le Fresnoy, Studio national d’arts contemporains, Lille
Das Motiv des Dressurreitens – ein Archetyp der domestizierten Natur – wird in Carolina Saquels Video „Pentimenti“ zum Spiegelbild der Disziplinierung menschlichen Verhaltens. Zugleich geht es um eine Auseinandersetzung mit dem Bildermachen selbst bzw. um das Posieren: jenem Moment des zum Bild-Werdens der Physis.
Lee Se-jung, ROK
Face, 2002
Video, DVD, Stereo, 2 Min. 8 Sek.
Courtesy: der Künstler
Lee Se Jung kreist in ihrem Performancevideo um die eigenen physischen Grenzen. In einem Spiel um An- und Abwesenheit verschluckt sie permanent das eigene Gesicht, das sie zuvor auf eine Plastiktüte gezeichnet hat, in der ihr Kopf steckt.























