Territorien des In/Humanen

Vom 30. April bis 1. August 2010 zeigt der Württembergische Kunstverein aus Anlass des zwanzigjährigen Bestehens und gemeinsam mit der Akademie Schloss Solitude die Ausstellung Territorien des In/Humanen. Dabei folgt der Kunstverein dem diesjährigen Schwerpunktthema der Akademie Schloss Solitude, das die Frage nach den Durchdringungen der Konzepte des Humanen und Inhumanen stellt.

Die zwanzigjährige Geschichte der Akademie Schloss Solitude fällt zusammen mit einer Reihe tiefgreifender politischer, sozialer, ökonomischer und kultureller Umbrüche: von der Auflösung der kommunistischen und sozialistischen Staaten, über die  Etablierung neuer Grenzen und Feindbilder, bis hin zu den veränderten Informations- und Kommunikationsstrukturen.
 
Hatte man zu Beginn der 1990er Jahre noch den Siegeszug der westlichen Modelle von Demokratie und freier Marktwirtschaft gefeiert, so zeichnete sich schnell das Scheitern seiner Verheißungen auf einen ewigen Frieden und Wohlstand für Alle ab:  mit Kriegen wie in Ex-Jugoslawien, Afrika, Afghanistan oder dem Irak, mit einer immer größer werdenden Schere zwischen Reichtum und Armut, mit dem Kampf um Ressourcen wie Wasser, Öl und Gas, oder dem Platzen diverser ökonomischer Blasen, nicht zuletzt im Kontext des jüngsten Zusammenbruchs der Finanz- und Immobilienmärkte. Die beschleunigte und scheinbar grenzenlose Mobilität von Menschen, Gütern, Informationen oder Geldströmen, wie sie in den Fortschrittsrethoriken des globalisierten Zeitalters heraufbeschwört wird, geht einher mit jenen fatalen Ein- und Ausschlüssen, denen in den letzten zwei Dekaden fast eine halbe Millionen Menschen auf ihren Migrationsrouten zum Opfer fielen. „Wenn die Flüchtlinge“, schreibt Giorgio Agamben, „in der Ordnung des modernen Nationalstaates ein derart beunruhigendes Element darstellen, dann vor allem, weil sie die Kontinuität zwischen Mensch und Bürger, zwischen Nativität und Nationalität (…) aufbrechen und damit die Ursprungsfiktion der modernen Souveränität in eine Krise stürzen“.
 
Die Ausstellung im Württembergischen Kunstverein greift die Fragen nach den Konzepten des Humanen und Inhumanen vor diesen Hintergründen auf. Gezeigt werden Werke von rund 30 aktuellen wie ehemaligen Solitude-StipendiatInnen, die zwischen den 1990er Jahren bis heute entstanden sind.
 
Im Vordergrund steht dabei die Auseinandersetzung mit den räumlichen und gesellschaftlichen Ein- und Ausschlüssen, die dem Konzept des modernen Menschen – im Sinne des Souveräns (also des bürgerlichen, weißen Mannes) – innewohnen. Die Dichotomien zwischen Human und Inhuman, Subjekt und Objekt, Norm und Abweichung, Schuld und Unschuld werden dabei ebenso kritisch befragt, wie die offenen und verdeckten Formen der Gewalt im Kampf um die Platzierungen innerhalb einer sich verschiebenden Weltordnung. Daran anknüpfend geht es auch um Motive von Angst und Kontrolle, Konzepte von Funktionalität oder um hierarchische Muster – und wie diese sich in die Territorien des Privaten und Öffentlichen einschreiben.
 
Ziel der Ausstellung ist es nicht – und kann es nicht sein – die Frage nach den Durchdringungen des Humanen und Inhumanen erschöpfend zu verhandeln. Vielmehr geht es darum, einige Aspekte dieses komplexen und weitreichenden Problemfeldes aufzugreifen.
 
Die Ausstellung wird von einem umfangreichen Vortrags- und Filmprogramm begleitet. Im Herbst 2010 folgt eine Performancereihe im Württembergischen Kunstverein, die ebenfalls im Rahmen von „20 Jahre Akademie Schloss Solitude!“ stattfindet.

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