Jan-Peter E.R. Sonntag. Rauschen

DIE AUSSTELLUNG

Jan-Peter E.R. Sonntag, Modell für den Rauschraum im Württembergischen Kunstverein, 2014
"Rauschen", 2015, quadrophoner Rauschraum, Außen
"Rauschen", 2015, quadrophoner Rauschraum, Innen
Backstage-Raum

Im Zentrum des Ausstellungsraums steht – als eine Art White Cube im White Cube – der Rauschraum. Er wird von vier großformatigen Spezialhörnern, sogenannten Diffraktionshörnern gebildet, die Sonntag und sein Team eigens für die Ausstellung entwickelten. Die vier Raumecken sind dabei jeweils direkter Bestandteil der Hörner. Architektur und Instrument fallen ineins. Im diesem Rauschraum verrauschen Meer und Wald, Jimi Hendrix und Richard Wagner (Im Treibhaus), Inner-Körper-Geräusche und Sonntags 1991 erstmals entwickeltes, endlos steigendes Rauschen allmählich zu einem totalen, einem sogenannten weißen Rauschen.

Auf der Außenwand des Backstage-Raums hängt ein 4 qm großes Schalttableau aus Bausteinen des Lectron Baukastens der Firma Braun. Mit einem solchen Baukasten soll Kittler seinen ersten Schaltkreis gefertigt haben.

Im Backstage-Raum sind großformatige fotografische Stillleben sowie eine Videoprojektion der „anatomischen Studien“ aus dem Apparatus Operandi-Zyklus zu sehen. Als Kontrapunkt dazu wurde eine Vielzahl an Archivmaterialien versammelt, die im Rahmen sowohl des Apparatus Operandi-Forschungsprojektes als auch von Sonntags über 25jährigem künstlerischen Schaffen zusammengetragen wurden. Die zwischen Depot und Kuriositätenkabinett präsentierte Sammlung umfasst historische Apparate (wie Kittlers Synthesizer), Bilddokumente (z.B. über die Geschichte des Horns, oder von Nietzsches Schreibmaschine), eine Audioaufzeichnung aus einem Interview mit Friedrich Kittler, diverse Artefakte, künstlerische Werke und vieles mehr. Es ist der Versuch eines „Gesprächs“ zwischen Sonntags künstlerischer Praxis und Kittlers Untersuchungen an technischen Geräten.  

Der Klang-Film-Raum enthält Klangfilmhornlautsprecher aus den 1930er-Jahren, die Sonntag und sein Team neu entwickelten. Zudem werden hier drei Videos aus Sonntags Almost Cinema Zyklus im Wechsel mit der zentralen Rauschinstallation vorgeführt: darunter das Video Sonntag im Park zu dessen Protagonisten ein Drehorgelspieler in einem Park in Mexico City sowie ein Wandgemälde Diego Riveras zählen.

Am Rande der Ausstellung wird die technophilologische Forschungsarbeit an Kittlers Synthesizer fortgesetzt. Diese Arbeiten geschehen im Rahmen der Gesammelten Schriften Friedrich Kittlers, in deren Auftrag Sebastian Döring und Jan-Peter E.R. Sonntag die Schaltungsnotate des Kittlerschen Lötwerks herausgeben.

Mit der Ausstellung möchte der Württembergische Kunstverein eine  künstlerische Position vorstellen, die auf besondere Weise die Diskurse, Repräsentationen und Dispositive von Kunst und Wissenschaft auslotet. Von der anatomischen Arena bis zum White Cube, vom wissenschaftlichen Beweismittel bis zum fetischisierten Artefakt, von der analytischen Betrachtung bis zur sinnlich-rauschhafte Erfahrung werden beide Felder neu vermessen.

deueng
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