Jan Peter E.R. Sonntag. Rauschen

EINFÜHRUNG

Jan-Peter E.R. Sonntag, apparatus operandi, 2012
Jan-Peter E.R. Sonntag, apparatus operandi, 2012
Jan-Peter E.R. Sonntag, apparatus operandi, 2012
Jan-Peter E.R. Sonntag, apparatus operandi, 2012

Der in Berlin lebende Künstler, Komponist und Theoretiker Jan-Peter E.R. Sonntag verbindet in seinen meist installativen Werken bildende Kunst, Neue Musik und Medienästhetik miteinander.

Seine Einzelausstellung Rauschen, die vom 21. Februar bis zum 31. Mai 2015 (verlängert) im Württembergischen Kunstverein zu sehen und zu hören ist, setzt sich mit den Beziehungen zwischen Rauschen, Rausch und Technologie auseinander.

Die Ausstellung umfasst einen zentralen quadrophonen Rauschraum, in dem die BesucherInnen den Phänomenen von Rauschen ausgesetzt werden; einen „Backstage“-Raum, in dem Werke, Artefakte und Dokumente aus dem Apparatus Operandi-Zyklus diversen Materialien aus Sonntags Archiv und weiterem künstlerischen Schaffen gegenüber gestellt werden; sowie einen Klang-Film-Raum, in dem drei Videos aus Sonntags Almost Cinema-Zyklus gezeigt werden. Zwischen dem Rausch-, Backstage- und Klang-Film-Raum sind weitere Werke und Artefakte platziert, die das Thema Rauschen verhandeln.

Sonntag und sein Team haben für die Ausstellung eigens eine Choreografie und technisch komplexe Steuerung entwickelt, mit der die BesucherInnen in verschiedenen Phasen zwischen Rauschraum und Klang-Film-Raum geleitet werden. Die drei Videoarbeiten laufen hintereinander und alternierend zur Komposition im Rauschraum. Ein Display zeigt das gesamte Programm an und hebt jeweils hervor, welche Arbeit aktuell wo und wie lange noch läuft. Nicht alle Werke können zu jeder Zeit gehört bzw. gesehen werden. Die zeitlichen Strukturen und Taktungen von Ausstellungs-, Konzert- und Kinobesuch greifen ineinander.  

Ausgangspunkt des konzeptuellen, medien-archäologischen Forschungsprojekts Apparatus Operandi ist eine Anatomie des modularen Synthesizers von Friedrich Kittler. Diesen Apparat hat der 2011 verstorbene Literatur- und Medienwissenschaftler, der sich eingehend mit Rausch und Rauschen beschäftigt hat, zwischen 1978 und 1988 eigenhändig zusammengebaut und -gelötet. In einem Szenario, das Rembrandts berühmtes Gemälde Die Anatomie des Dr. Tulp zitiert, unterzogen Sonntag und weitere namhafte ExpertInnen ein Modul des Synthesizers 2012 im Medientheater der Humboldt-Universität Berlin einer anatomischen Studie.

Der konzeptionelle Kernpunkt dieses Projekts besteht darin, die Grundzüge von Kittlers techno-historischer Theoriebildung, in der Kultur und ihre Medien als Datenverarbeitungsmaschinen zu verstehen sind und deren Schalt- und Regelkreise es offenzulegen gilt, aus seinem Lötwerk zu lesen.

deueng
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