Post-Peace

25. Februar 2017 – 7. Mai 2017
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PROGRAMM
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Freitag, 24. Februar 2017, 19 Uhr
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ERÖFFNUNG
Begrüßung
Iris Dressler, Hans D. Christ (DirektorInnen des Württembergischen Kunstvereins Stuttgart)
Einführung
Katia Krupennikova (Kuratorin)
Performaces
I Must Seek Refugee Again
A.S.I. group (Ehsan Fardjadniya) 

im Anschluss
Party / DJ
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Samstag, 25. Februar 2017 - Sonntag, 26. Februar 2017
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KONFERENZ
Wie ich lernte mir Sorgen zu machen. Symptome des Post-Peace
Rundgang, Vorträge, Podien und Performances mit

Hans D. Christ, Anna Dasovic, Iris Dressler, Ehsan Fardjadniya / Edyta Jarzab, Alevtina Kakhidze, Yazan Khalili, Jaha Koo, Katia Krupennikova, belit sag, Anika Schwarzlose, Ece Tamelkuran, Aleksei Taruts und anderen

Am Eröffnungswochenende von Post-Peace findet eine zweitägige Konferenz mit internationalen Künstler_innen und Theoretiker_innen statt. Unter dem Titel Wie ich lernte, mir Sorgen zu machen. Symptome des Post-Peace, geht es zum einen um eine Kontextualisierung und Reflexion des Begriffs Post-Peace. Zum anderen widmet sich die Konferenz einer eingehenden Analyse der Phänomene von Zensur, Selbstzensur, prekären Arbeitsverhältnissen, neoliberalen Strukturen und Intransparenz im Kunstbetrieb – sowie Formen des Widerstands dagegen. Neben dem Fall der Post-Peace Ausstellung in Istanbul sowie der besonderen Situation in der Türkei, werden dabei auch andere Beispiele sowie die grundlegenden Wirkungsweisen von Zensur diskutiert.
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Samstag, 25. Februar 2017
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14:00 Uhr
AUSSTELLUNGSRUNDGANG mit den Künstler_innen und der Kuratorin 

16:00 Uhr
EINFÜHRUNG zur Konferenz

Katia Krupennikova (Kuratorin, Amsterdam), Iris Dressler und Hans D. Christ (Direktor_innen des Württembergischen Kunstvereins)

16:15 Uhr
Alevtina Kakhidze (Künstlerin, Muzychi)
About the Wars, Colorado Beatles, Chicken and Slugs (Über die Kriege, Colorado Beatles, Hühner und Schnecken / Durchschusslinien)
PERFORMANCE im Format einer Eröffnungsrede

Die Performance verweist auf die jüngsten kriegerischen Konflikte zwischen der Ukraine und Russland, die mit Geschichten aus dem Zweiten Weltkrieg verwoben werden. Die Rede hat einen eher fiktiven Charakter und wurde ohne tiefere Kenntnisse der komplexen Hintergründe und Kontexte verfasst. Sprache: Englisch mit einer freien Übersetzung ins Deutsche.

16:30 Uhr
Dies ist keine Zensur, und schweig bitte darüber 
GESPRÄCH über die Zensur der Ausstellung Post-Peace durch die Akbank Sanat, Istanbul sowie über die versuchte Zensur der Ausstellung The Beast and the Sovereign durch das MACBA, Barcelona.

belit sag (Künstlerin, Amsterdam) / Katia Krupennikova Hans D. Christ / Iris Dressler
Im Anschluss: Diskussion

Die offene und verdeckte Zensur im Kunstbetrieb nimmt auch in demokratischen Gesellschaften zu – wobei der Akt der Zensur häufig verschwiegen und diskret abgewickelt wird. Wird ein Fall dennoch publik, so werden die Zensierten nicht selten selbst als Aggressoren dargestellt, die es auf einen Skandal abgesehen hätten. Zugleich scheinen nicht wenige Protagonist_innen der Kunstwelt Zensur als ein zuweilen unumgängliches Mittel internalisiert zu haben. Die Diskussion wird sich auf zwei Fallstudien konzentrieren: Die Ausstellungen Post-Peace und The Beast and the Sovereign, die beide kurz vor der geplanten Eröffnung abgesagt bzw. zensiert wurden: Erstere durch die Akbank Sanat, Istanbul, Letztere durch das MACBA in Barcelona (dessen Absage wenige Tage später aufgrund des öffentlichen Drucks aufgehoben wurde).

18:10 Uhr
Ece Tamelkuran (Autorin, Istanbul)
Singular Passages In The Age Of Collective Evil (Singuläre Passagen im Zeitalter des kollektiven Bösen)
GESPRÄCH

Was ist im Zeitalter des "Es-gibt-keinen-Krieg-aber-Millionen-von-Opfern" noch rational? Zählen Empfindung und somit auch die Kunst zur Einzigartigkeit? Gehört die Kunst dem einzigen friedlichen Raum, dem Markt an? Wenn dem so ist, dann sind wir Einzelne – eingebettet in den Markt und stets mittendrin in der sogenannten Nachfriedens Ära, in der Bomben explodieren und Babys rund um den Raum der Kunst sterben. Ja, der "Prophet des Unheils wischt jedes Lächeln weg." Wie Antigone in der Version von Brecht tragen wir unsere Türen auf dem Rücken um singulärer Passagen willen, die in pluralen Singularitäten enden, aber nie in einem Kollektiv. Wir sind unentschlossene, zögernde Einzelne, niemals sicher, ob wir unsere toten Brüder beerdigen oder ihre Fotos draußen aufstellen müssen, damit sie ewig leben können.

19:00 Uhr
Jaha Koo (Künstler, Amsterdam)
Lolling and Rolling
PERFORMANCE

Im Anschluss: Gespräch mit Hans D. Christ über die Rolle von Südkorea im Kontext von Post-Peace.

Die Performance Lolling and Rolling durchdringt die tragischen gesellschaftlichen Effekte, die in Südkorea dem Englischunterricht geschuldet sind. So gab es hier eine große Kontroverse über die Kinderzungen-Chirurgie – die sogenannte linguale Frenektomie – mit der eine bessere englische Aussprache des Zungenlauts "R" erreicht werden soll. Die fiktive Geschichte, Video- und Sound-Arbeit des koreanischen Künstlers verhandelt nicht nur aktuelle Themen, sondern auch historische Ereignisse im Kontext von Kolonialismus und Imperialismus.
Sprache: Englisch
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Sonntag, 26. Februar 2017
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12:00 Uhr
KÜNSTLER_INNENGESPRÄCHE

Yazan Khalili (Künstler, Ramallah)
Freedom of Censorship (Die Freiheit der Zensur)

Khalili untersucht zum einen jene Machtstrukturen, die die Meinungsfreiheit beeinflussen, und zum anderen die paradoxe Situation, mit der Künstler_innen umgehen müssen, wenn sie politisch mit einer Machtinstanz oder über sie sprechen: eine doppelte Herausforderung, Zensur und Redefreiheit zu vermeiden.

Anna Dasovic
(Künstlerin, Amsterdam)
When People Are Exhibited to Disappear (Wenn Leute ausgestellt werden, um zu verschwinden)

Die Fragen zur Darstellbarkeit des Holocaust waren entscheidend für das Verständnis der Geschichte des Leidens und ihrer Repräsentation. Man könnte behaupten, dass der Holocaust den Begriff der Repräsentation an sich für die moderne und zeitgenössische Gesellschaft geprägt hat. Anna Dasovi? wird Bilder aus verschiedenen Quellen vorstellen, um zu überprüfen, wie die Politik, die Medien und die Gesellschaft mit der Darstellung von Menschen als leidende Subjekte heute umgehen. Bildet sich nicht genau hier die Grausamkeit selbst: in der politischen Imagination des Westens, die jene Bedingungen schuf, durch die einige von uns dazu berechtigt sind sich abzuschauen wie der "Andere" verschwindet?

belit sag
(Künstlerin, Amsterdam)
Do Fictive Images Have Tangible Consequences? (Haben fiktive Bilder greifbare Konsequenzen?)

Auf informelle und assoziative Weise untersucht belit die Politiken, Gewalt und Ästhetiken von Bildern. Was bedeuten diese für uns und wie wirken sie sich auf unser Leben und unsere Realitäten aus? Dabei spannt sie einen weiten inhaltlichen und historischen Bogen, der von Hollywood-Filmen bis zu ISIS-Videos, von türkischen Filmen der 1960er–Jahre bis zu TV-Serien, von YouTube-Clips bis zu Nachrichten-Fotos, von einem Attentat in einer Kunstgalerie bis zu … reicht.

13:40 Uhr

How to Affect the System that Affects Us? (Wie lässt sich das System beeinflussen das uns beeinflusst?)
ABSCHLUSSDISKUSSION MIT
Sven Augustijnen, Ella de Búrca, Anna Dasovic, Hans D. Christ, Iris Dressler, Ehsan Fardjadniya, Alevtina Kakhidze, Yazan Khalili, Jaha Koo, Katia Krupennikova, Lyubov Matyunina, Pinar Ögrenci, Dorian de Rijk, belit sag, Alexei Taruts, Ece Tamelkuran, Anika Schwarzlose, Radek Szlaga und anderen

Die Diskussion setzt an einer detaillierten Analyse von Phänomenen des Kunstbetriebs – prekäre Arbeitsbedingungen, neoliberale Strukturen oder der Mangel an Transparenz – sowie an  Widerstandformen gegen dieses an. 

15:00 Uhr
Edyta Jarzab
(Künstlerin, Warschau)
More Bark, More Bite (Mehr Bellen, mehr Beißen)
MUSIKPERFORMANCE, 15 Min.

Edyta Jarzab erzählt eine kurze Geschichte über eine weibliche Stimmmodulation im öffentlichen Raum. Es geht um die Erforschung des Klangs einer friedlichen Straßendemonstration, die einem Konsens entspringt.

15:30 Uhr
 
A.S.I. group (Ehsan Fardjajniya / Künstler, Amsterdam)
Ammunition Boxing (Munitionsverpackung)
PERFORMATIVE REDE
Ort: Schlossplatz und Stuttgart Hauptbahnhof

Die performative Rede basiert auf dem sogenannten „Soapboxing“, einer Praxis der Rede im öffentlichen Raum, die in London in den Jahrzehnten unmittelbar vor dem Ersten Weltkrieg entstand. Soapboxing-Reden fordern für alle das Recht ein, vor einem spontan sich auf der Straße versammelnden Publikum politische Reden zu halten.
Die Performance beginnt auf dem Stuttgarter Schlossplatz mit einer Lesung des Gedichts Quatrains, das von dem persischen Dichter Baba Tahir stammt. Im Anschluss folgt die Lesung der sogenannten Schuman-Erklärung: jener am 9. Mai 1950 von dem französische Außenminister Robert Schuman abgegebenen Erklärung, die den Grundstein für die heutige Europäische Union gelegt haben soll. Den Abschluss bilden am Stuttgarter Hauptbahnhof The Laments Of The Anonymous Stateless Immigrants (Die Klagelieder der anonymen staatenlosen Immigrant_innen): eine Geschichte über die Kundenkontrolle.

deueng
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