Über uns
Der 1827 gegründete Württembergische Kunstverein basiert auf dem Engagement seiner rund 3.000 Mitglieder, von denen fast die Hälfte KünstlerInnen sind. Er ist gleichermaßen in den lokalen wie internationalen Kunstszenen verankert.
Der Württembergische Kunstverein versteht sich als ein Ort der offenen Auseinandersetzung mit den vielfältigen Ansätzen und Praktiken der zeitgenössischen Kunst – und ihren weit reichenden gesellschaftlichen Bezugsfeldern. Offen heißt hier vor allem, dass wir die Vermittlung von Kunst nicht als deren Festschreibung verstehen, sondern als das Aktivieren mehrschichtiger und widersprüchlicher Lesarten.
Als Institution bietet der Kunstverein Sichtweisen auf Kunst an, die jedoch angreifbar bleiben. Was wir erzeugen möchten, sind Reibungsflächen. Ganz im Sinne von Antoni Muntadas Statement „Warning. Perception Requires Involvement“ (Warnung: Wahrnehmung erfordert Beteiligung) geht es darum, das Einlassen auf Kunst gleichermaßen zu fördern wie die kritische Distanz zu ihr.
Zeitgenössische KünstlerInnen haben ihre Praktiken in den letzten 40 Jahren auf weit verzweigte gesellschaftliche Bereiche ausgedehnt und dabei die klassischen institutionellen Rahmenbedingungen auf äußerst kreative Weise überfordert. Sie arbeiten heute zwischen den Rollen von Künstlern, Kuratoren, Zeitschriftenherausgebern, Designern, Architekten, Dokumentaristen, Forschern, Programmierern, Betreibern von Webforen oder unabhängigen Institutionen – und vielem mehr. Sie schaffen ihre eigenen lokal wie global verankerten Netzwerke, die parallel zum Kunstbetrieb kritische sowie partizipatorische Handlungsräume hervorbringen.
„Klassische“ Medien wie die Zeichnung, Malerei, Skulptur, Fotografie und Videokunst werden von KünstlerInnen einer permanenten Neubestimmung unterzogen. Sie haben sich überdies das Internet, Software, Computerspiele oder das Mobiltelefon als künstlerische Experimentierfelder angeeignet.
Für eine Institution, wie den Württembergischen Kunstverein, die sich als Schnittstelle zwischen den sich permanent verschiebenden Praktiken der zeitgenössischen Kunst und ihren vielfältigen Öffentlichkeiten begreift, bedeutet dies zu allererst, die eigenen Funktionen und Vermittlungspraktiken zu erweitern. So laden wir zum Beispiel regelmäßig externe KuratorInnen und Institutionen dazu ein, Ausstellungen oder Veranstaltungen für den Kunstverein zu konzipieren. Auf dieser Basis soll ein Programm entstehen, das die Heterogenität der zeitgenössischen Kunst ebenso wie die Heterogenität kuratorischer Ansätze spiegelt.
Die Auseinandersetzung mit und Erprobung von prozesshaften und kollaborativen Arbeitsformen zählen für uns zu den besonderen Möglichkeiten, die ein Kunstverein bietet. Dies galt für Einzelausstellungen wie Muntadas. Protokolle (2006), Anna Oppermann (2007) oder Postcapital (2008) ebenso wie für das zweijährige Projekt On Difference (2005-2006), an dem 18 internationale KuratorInnen und über hundert KünstlerInnen, ArchitektInnen, UrbanistInnen und AktivistInnen beteiligt waren, oder für den dreiwöchigen Workshop Spektakel Stadt (2006).
Ausstellungen wie Contenance (2005), Dan Perjovschi, Fernando Bryce, Michaël Borremans (2006), Landschaft (Entfernung) (2007) oder Wild Signals (2008) wiederum greifen Aspekte der zeitgenössischen Kunst auf essayistische Weise auf, in dem sie offene Bezugsfelder kreieren.
Der Württembergische Kunstverein ist primär ein Ort der zeitgenössischen Kunst. Gerade deshalb – folgt doch die zeitgenössische Kunst längst keinem eng gefassten Kanon mehr – werden Bereiche wie Architektur, Stadtplanung, Ökonomien, politische und gesellschaftliche Entwicklungen, Film und Technologien aus immer wieder unterschiedlichen Perspektiven verhandelt: Im Rahmen von Ausstellungen ebenso wie von Vortragsreihen, Filmprogrammen, Workshops und anderen Aktivitäten.
Mit Einzelausstellungen wie der von Mark Tansey (2005), Antoni Muntadas oder Anna Oppermann und Projekten wie Expanded Cinema (2006) sollen regelmäßig internationale Positionen aufgezeigt werden, die ihre Wurzeln in den künstlerischen Praktiken der 1970er und 1980er Jahre haben, und deren Relevanz wir für die aktuellen Kontexte der zeitgenössischen Kunst zur Diskussion stellen möchten.
Das Experiment der jährlichen Mitgliederausstellung besteht schließlich darin, künstlerische Positionen, die nicht unterschiedlicher sein könnten, über kommunikative Prozesse zur „Sichtung“ zu bringen – und dabei Differenz nicht zu negieren, sondern produktiv wie kreativ damit umzugehen.
Ganz wesentlich versteht sich der Württembergische Kunstverein auch als Schnittstelle zwischen der Kunst- und Wissensproduktion. Die schlägt sich nicht nur in unserem interdisziplinären Programm nieder, sondern auch in der 2005 eingerichteten mobilen Werkstatt, die mit Zeitschriften, Katalogen, CDs und DVDs, Internetzugang, Kopierer etc. als offener Arbeitsraum zur Verfügung steht.
Wir freuen uns auf Ihren Besuch
Hans D. Christ / Iris Dressler










