siren eun young jung. resistant theatre


siren eun young jung, Sick Seoul, 2026

18. April – 2. August 2026

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Reader zur Ausstellung

siren eun young jung, People, Not-Yet Here, 2026

Mit resistant theatre zeigt der Württembergische Kunstverein eine umfassende Einzelausstellung der südkoreanischen Künstlerin siren eun young jung.

jung, die 2019 im koreanischen Pavillon auf der Venedig-Biennale vertreten war, zählt zu den einflussreichsten Video- und queer-feministischen Künstler*innen Südkoreas. Im Zentrum der Ausstellung steht der jüngste und abschließende Teil ihrer theatre-Trilogie: die dreiteilige, bild- und klangintensive Videoinstallation resistant theatre, die erstmals außerhalb Koreas präsentiert wird.

Die Trilogie, die der Kunstverein in ihrer Gesamtheit zeigt, basiert auf einer langjährigen Beschäftigung der Künstlerin mit Yeoseong Gukgeuk – einem in den 1950er-Jahren in Südkorea populären Musiktheatergenre, bei dem alle Rollen, auch männliche Figuren, von Frauen gespielt werden. Auf dieser Grundlage entwickelt jung in ihren Videos, Performances und Archivinstallationen queer-feministische Erzähl- und Handlungsräume, die sich jenseits westlicher Diskurse verorten.

Der erste Teil der Trilogie, trans theatre, widmet sich der frühesten Generation von Darstellerinnen männlicher Rollen im Yeoseong Gukgeuk, ihren Erfahrungen und Archiven. deferral theatre, der zweite Teil, entstand in enger Zusammenarbeit mit zeitgenössischen Künstler*innen aus der LGBTQIA+-Gemeinschaft und untersucht Fragen von Performativität und Repräsentation sowie zur Aneignung von Tradition. jung löst Yeoseong Gukgeuk aus seinen patriarchalen Zuschreibungen und verhandelt es stattdessen als imaginären Ursprung queerer Kulturpraktiken.

resistant theatre rückt nun die gegenwärtige politische Handlungsmacht marginalisierter Personen in den Vordergrund und richtet den Blick auf die Bewegungen, Rhythmen, Gesten und Choreografien widerständiger Körper im öffentlichen Raum: auf grundlegende Formen von Protest wie Singen und Rufen, Flaggen und Streikposten, Kundgebungen und Märsche. Die Installation verwebt Dokumentationen von Demonstrationen und deren stilisierten Reenactments – sowie Körper und Stadt, Herrschafts- und prekäre Räume, Musik und Geräusche miteinander. Der Sound wird von den Beats der Elektropop-Musikerin KIRARA bestimmt, mit der jung seit 2016 zusammenarbeitet.

Hintergrund des dritten Teils sind die massiven Proteste der Zivilbevölkerung in den Jahren 2024 und 2025 in Südkorea, die sich gegen Präsident Yoon Suk-yeol richteten, nachdem dieser am 3. Dezember 2024 das Kriegsrecht ausgerufen hatte. LGBTQIA+-Gruppen waren an den Protesten deutlich sichtbar und maßgeblich beteiligt. Wie lassen sich queere und trans* Politiken dauerhaft in staatliche Prozesse und alltägliche Lebenspraktiken einschreiben? Was wären mögliche Modelle einer zukünftigen queeren, nicht-binären Bürger*innenschaft?

Die als Gesamtinstallation konzipierte Präsentation der theatre-Trilogie ist um eine bewusst freigelassene Mitte angeordnet, die an eine offene Piazza erinnert – einen Ort potenzieller Versammlung. Vorhänge und ein Bühnelement betonen die performativen Kontexte von jungs künstlerischer Praxis – können aber auch als Verweis auf die Theatralität von Städten sowie auf die Aneignung des öffentlichen Raums als Bühne gelesen werden. Nicht zuletzt wird der Ausstellungsraum selbst zwischen Stadt und Bühne verhandelt. So dient das Bühnenelement als Plattform für diverse Künstlerinnen, darunter auch KIRARA, sowie als offenes Forum für multiple Stimmen.

Die Plattform ist einer von mehreren Orten innerhalb und außerhalb des Kunstvereins, an denen das dichte Veranstaltungsprogramm zur Ausstellung stattfindet. Dieses wird in enger Zusammenarbeit zwischen der Künstlerin, den Ausstellungs- und Programmkurator*innen entwickelt und verbindet die internationalen Kontexte der theatre-Trilogie mit lokalen Fragestellungen und Aktivitäten.

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