Stuttgart im öffentlichen Raum. Bedeutung, Erfahrungen und Aneignung von Stadt aus (post-)migrantischer Perspektive
Shared Space #Querungen
26. Juli – 5. Oktober (verlängert!) 2025
AUSSTELLUNG + PROGRAMM
Veranstalter*innen + Kuration: Studio Malta mit Weiny Fitui
Mit Beiträgen von: Álvaro García, Victor S. Brigola und vielen anderen
Stadtrecherche: Studierende der Universität Stuttgart
Die Ausstellung ist der erste Einblick in ein künstlerisches Forschungsprojekt, das sich mit der Frage beschäftigt, wie Menschen mit Migrationsgeschichte öffentliche Räume in Stuttgart erleben und nutzen – und welche Bedeutung diese Orte für sie haben. Gezeigt wird ein Ausschnitt der koproduktiven Sammlung: Bilder, Geschichten, Beobachtungen, Stimmen und Stadtrecherchen, die sichtbar machen, wie Diversität gelebt wird – und wo Zugehörigkeit entsteht. Diese Ausstellung ist der Beginn eines koproduktiven Archivs über öffentliche Räume in Stuttgart – offen für weitere Stimmen, Orte und Perspektiven.
FORSCHUNGSPROJEKT
Stuttgart im öffentlichen Raum ist eine künstlerische und koproduktive Forschung zur Aneignung, Nutzung und Bedeutung öffentlicher Räume aus (post-)migrantischer Perspektive. Im Zentrum stehen Fragen nach Zugänglichkeit, Sichtbarkeit und Teilhabe: Wer gestaltet den öffentlichen Raum? Welche Alltagspraktiken und Erinnerungen schreiben sich in urbane Orte ein? Welche Sichtweisen finden sich jenseits offiziellen Darstellungen und planungspolitischen Narrativen? Mittels künstlerischer Recherche, ethnografischer Methodik und koproduktiven Formaten, wird der öffentliche Raum als Spiegel gesellschaftlicher Verhältnisse untersucht. Migration wird dabei nicht als Ausnahme, sondern als konstituierendes Moment städtischer Entwicklung sichtbar gemacht. Ziel ist der Aufbau eines Archivs (post-)migrantischer Raumpraktiken.
KURZFILME
Persönliche Zugehörigkeit, in denen die Verdrängung ständiger Begleiter ist, das Recht auf Raum durch Präsenz und fürsorglichen Umgang, Gegenstände, die den Raum neu definieren: die Kamera bewegt sich mit den Protagonist*innen, beobachtet und erzählt selbst eine Geschichte, hält auch inne und lässt sie ihre eigenen Geschichten erzählen. Auch über die Notwendigkeit, sich den gemeinsamen Raum als den zu nehmen, der er eigentlich ist: ein Raum für Alle und von allen, Orte der Begegnung, die provisorisch und zugleich auch dauerhaft sind. Öffentliche Räume sind essentiell, dynamisch und formen sich im Spannungsfeld von Aneignung, Reglementierung und sozialer Aushandlung.
FOTOGRAFIEN
Unscheinbare Gesten und soziale Beziehungen, die sich in Objekte, Spuren und Atmosphären einschreiben: Selbstverständlich erscheinende, aber bedeutungsvolle Formen der Aneignungen des öffentlichen Raums werden dokumentiert. Die Technik der Fachkamera schafft eine besondere Annäherung und Wahrnehmung von Menschen und Räumen. Szenen und Dinge erzählen von urbaner Praxis und von dem, was im Alltäglichen verborgen liegt und oft viel mehr oder etwas ganz anderes bedeutet, als es auf den ers-ten Blick erscheint. Nicht durch monumentale Gesten, sondern durch alltägliche, auch kleine Handlungen, wird Raum neu geschrieben, erhalten und ständig neu geformt.
STADTRECHERCHEN
An der Universität Stuttgart erforschten im Sommer-Semester 2024 Studierende, wie Migration urbane Räume prägt. Hierbei beschäftigten sie sich vor allem mit Aneignungsprozessen. Geschichts- und sozial-wissenschaftliche Methoden der Stadtforschung waren hierbei grundlegend: Wahrnehmungs-Spazier-gänge, Interviews, Kartierungen, Archiv-Recherchen und partizipative Fotografie. Im Fokus standen Fragen nach Sichtbarkeit, Zugänglichkeit und wie alltägliche Praktiken Räume der Zugehörigkeit schaffen. Die Recherchen zeigen Einblicke in eine Stadt, die vielfältig verhandelt wird – zwischen Alltagsnutzung, rechtlichen Bedingungen, räumlichen Barrieren und Möglichkeits-räumen durch Selbstermächtigung.
GEMEINSAM KARTIEREN
Welche Orte müssen ins Archiv? Welche Orte in Stuttgart sind dir wichtig? Was macht Sie besonders? Wo fühlst Du dich zugehörig – oder ausgeschlossen? Auf einer gemeinsamen Karte können diese Orte sichtbar gemacht werden und gehen in das Archiv ein.
GEMEINSAM WEITERDENKEN
Teil des Archivs ist eine Sammlung von Büchern und Texten, die sich aus wissenschaftlicher, künstlerischer und aktivistischer Perspektive, mit Fragen zu Migrati-on, Stadt und öffentlichem Raum beschäftigen. In einer gemeinsamen Literaturliste kann diese Sammlung kontinuierlich erweitert werden.
PROJEKTBETEILIGTE
Studio Malta
www.studiomalta.eu
Studio Malta arbeitet maßstabs übergreifend in den Bereichen Stadt entwicklung, Städtebau, Architektur und Design an gestal terischen und partizipativen Prozessen. An der Schnittstelle von praxisorientierter und konzeptioneller Arbeit entstehen maßgeschneiderte Strategien zur Verwirklichung von Vorhaben und ihrer Verhandlung im öff entlichen Diskurs.
Aida Nejad
Aida Nejad ist Architektin und Stadtplanerin und studierte an der TU Braunschweig sowie an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart in Stuttgart. Sie lehrte und forschte an der TU Kaiserslautern am Lehrstuhl Stadtplanung und an der Universität Stuttgart am Städtebau-Institut, Lehrstuhl Theorien und Methoden der Stadtplanung. Als Gründungspartnerin bei Studio Malta arbeitet sie forschend, konzeptionell und gestalterisch an Fragen der Stadtentwicklung – zwischen Theorie und Praxis. Im Mittelpunkt ihrer Projekte stehen künstlerische, koproduktive und transdisziplinäre Prozesse in unter-schiedlichen Maßstäben.
Weiny Fitui
www.kunstverein-wagenhalle.de/kuenstlerinnen/weiny-fitu
Weiny Fitui ist Künstlerin und Kulturvermittlerin in Stuttgart. Sie engagiert sich in der kulturellen Bildung, initiiert partizipative Formate und gestaltet temporäre Räume für Austausch, Kunst und Gemeinschaft. Sie ist Teil verschiedener Netzwerke der Stuttgarter Off -Szene und aktives Mitglied im Kunstverein Wagenhalle e.V., dem Württembergischen Kunstverein und der GEDOK Stiftung Stuttgart. In ihrer künstleri-schen Arbeit schaff t sie atmosphärische Assemblagen und Installationen mit Textilien, Licht, Baumaterialien und Fundstücken. Ihre Praxis ist geprägt von einer transkulturellen Perspektive, in der sie ihre eritreischen Wurzeln mit internationalen Einfl üssen verbindet
Álvaro García (Film)
www.alvarogarcia.de
Álvaro García ist Filmemacher. In Spanien geboren und in Dublin aufgewachsen, studierte er Film und Video an der Merz Akademie. Er erweiterte und ver-tiefte seine Fähigkeiten in Produktion, Regie, Kamera und Schnitt. Seine Arbeiten bewegen sich zwischen Dokumentarfi lm, Kunst und sozialer Beobachtung – mit einem besonderen Interesse für Geschichten, die im Alltag verankert sind.
Victor S. Brigola (Fotografie)
www.victorbrigola.com
Victor S. Brigola ist Fotograf mit besonderem Inter-esse für Architektur und gebaute Räume als soziale, atmosphärische und kulturelle Lebensorte. Seine Bilder entstehen mit der Fachkamera und zeigen Orte jenseits reiner Form oder Funktion. Seit 2014 unter-richtet er an der Merz Akademie sowie an weiteren Hochschulen im In- und Ausland.
Uni Stuttgart, Städtebau-Institut, Theorien und Methoden der Stadtplanung
www.si.uni-stuttgart.de/tms
Das Fachgebiet beschäftigt sich mit gesellschaftlichen Raumansprüchen und der Aushandlung städtischer Transformation. Im Fokus stehen Planungsprozesse in liberalen Demokratien – von institutionellen Verfahren bis zu zivilgesellschaftlichen Interventionen. Ziel ist die Förderung einer kritischen und demokratischen Planungskultur.
Seminar im Sommersemester 2024 Lehrpersonen: Prof. Dr. Laura Calbet und Aida Nejad
Studierende aus den Studiengängen Architektur und Stadtplanung, sowie Planung und Partizipation: Anne Beetz, Petimat Bibulatova, Lisa Birk, Nadia Virginia Bressan Bernhardt, Alexandra-Paula Craciun, Abdelrahman El-Hamawy, Marius Heinzmann, Pascal Linke, Nina Ludwig, Frederick Rehm, Helene Schächtele, Rebecca Seeger, Sarah Andrea Simon-Mathes, Maja Szwajkowska, Beyza Turan, Sarah Voigt, Hien Vu, Annalena Zunftmeister
FÖRDERER
Kulturamt der Landeshauptstadt Stuttgart, Zentrum für Kulturelle Teilhabe Baden-Württemberg




