Francisco Lameyer, "Asamblea General", 1847
Francisco de Goya, "Puntual", aus der Serie "Los Disparates", c. 1815–19, Courtesy: Privatsammlung Berlin
Carlos González Ragel, "RIP-Tänzer", aus der Serie "Esqueletomaquias", ca. 1937–42, Reprint, Courtesy: der Künstler
Carlos González Ragel, Ohne Titel, aus der Serie "Esqueletomaquias", ca. 1937–42, Reprint, Courtesy: der Künstler
Helios Gómez, Dias der Ira, 1931
Teresa Lanceta / Pedro G. Romero, "Gallinero", 2019, Courtesy: die Künstlerin
Darcy Lange, "Aire Del Mare", 1988 (2018)
Ines Doujak, "Sing Along!", 2019, Courtesy: die Künstlerin

Actually, the Deas Are Not Dead. Una forma de ser

AUSSTELLUNG

Ausgangspunkte
Ausgangspunkt der Ausstellung ist zum einen die Kris, das politische und gesellschaftliche Organ der andalusischen Roma, wie es in Serafín Estébanez Calderóns Text Asamblea general (Generalversammlung) von 1838 geschildert wird: einer Art Urtext zur Entstehungsgeschichte dessen, was wir heute Flamenco nennen. Die Kris ist eine Versammlung, bei der Konflikte ausgetragen, soziale Kontakte geknüpft, die Selbstbestimmung der Gruppe gestärkt und Feste gefeiert werden.
Zum anderen setzt die Ausstellung bei Francisco de Goyas rätselhafter Grafikserie Los Disparates (1815–19) an, die sich Motiven des Karnevalesken, Grotesken und Fantastischen bedient und zugleich zahlreiche kritische Anspielungen auf die politischen Umbrüche ihrer Entstehungszeit enthält.

Der Stuttgarter Vagabundenkongress
Mit ihrem im Rahmen der Ausstellung gewählten Fokus auf die politischen und ästhetischen Dimensionen des Festes möchten die Kurator*innen auch ein lokales Ereignis aufgreifen: den Vagabundenkongress, der 1929 in Stuttgart auf dem Killesberg – also ganz in der Nähe von jenem Ort, an dem zwei Jahre zuvor die Weißenhofsiedlung entstanden war – stattfand. Von dem Kongress ging die Forderung „Generalstreik ein Leben lang“ aus, der sich gegen die ausbeuterischen Arbeitsverhältnisse richtete sowie gegen die Bestrebungen, Wohnungs- und Arbeitslose wieder in die kapitalistischen Produktionsmaschinerien einzugliedern. Ein Slogan, der rund 25 Jahre später durch Guy-Ernest Debords „Ne travaillez jamais“  (Niemals arbeiten) aktualisiert werden soll.

Bezüge zur Gegenwart
Das Fest als ästhetischer Raum des Politischen und Emanzipatorischen – als Bühne der Verkehrung sozialer Verhältnisse (Karneval) sowie der Durchdringung von Ausgelassenheit und Rebellion, Avantgarde und Folklore – wird nicht nur historisch, sondern insbesondere in Bezug auf die Gegenwart ausgelotet. So verweist Aire del Mar, eine multimediale Installation und Performance des australischen Künstlers Darcy Lange von 1988, die Flamenco und die indigene Kultur der Maori verschränkt, auf die Ursprünge dessen, was heute das Anliegen von Klima- und Umweltaktivist*innen ist. Flamencogesang und -tanz wird von der Künstler*innengruppe Flo 6x9 seit der Finanzkrise 2017 als Protestform eingesetzt: in dem sie beispielsweise unerwartet und dabei lautstark in Banken auftrat. Vorläufer davon finden sich in den Choreografien von Mario Maya aus den 1970er-Jahren oder den radikalen Performances im öffentlichen Raum von Ocaña aus den 1980er-Jahren.

Ein zentrales Anliegen der Arbeit von Romero und García ist es, die bestehenden Vorurteile gegenüber den Gemeinschaften der Roma sowie den Stereotypen, die darüber existieren, entgegenzuwirken und dabei gleichermaßen auf die lange Tradition ihrer Unterdrückung und ihres Widerstandes hinzuweisen. Zentral hierfür stehen die herausragenden Malereien und Zeichnungen von Ceija Stoijka, die darin ihre Kindheitserinnerungen an diverse Konzentrationslager verarbeitet hat.

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