Edle Strecken und Kunstbauwerke

zur Kontinuität einer fragwürdigen Mobilisierung - der Drackensteiner Hang als Mahnmal

08.04. - 01.05.2022
Eröffnung: Freitag, 08.04., 19 Uhr
Begrüßung: ststs und Hans D. Christ

In den Querungen im Glastrakt  des Württembergischen Kunstvereins stellt ab 08.04.2022 das Künstlerpaar ststs sein Rechercheprojekt „Edle Strecken und Kunstbauwerke zur Kontinuität einer fragwürdigen Mobilisierung – der Drackensteiner Hang als Mahnmal“ vor. Es besteht aus einer Buchpublikation, performativen Autowanderungen am Rande der Schwäbischen Alb und der Präsentation im WKV, die sich installativ aus künstlerischen Arbeiten wie Fotocollagen, Videos und Objekten sowie Recherchematerialien zusammensetz

Der Drackensteiner Hang ist ein Autobahnabschnitt der A8 zwischen Stuttgart und Ulm, der die Höhenkante der Schwäbischen Alb überwindet. Er trägt seit dem Jahr 2018 den Beinamen „schönste Autobahnstrecke Deutschlands“ und steht aufgrund seiner ästhetischen sowie bautechnischen Qualität der zu größeren Teilen während des Nationalsozialismus gebauten und seither nahezu unveränderten Streckenführung mit der Bogenbrückenarchitektur von Paul Bonatz (1877–1956), der vor allem als Erbauer des Stuttgarter Hauptbahnhofes bekannt ist, unter Denkmalschutz. Der Autobahnbau wurde ab 1933 umgehend nach der Machtergreifung als Konjunkturprogramm von den Nationalsozialisten vorangetrieben und zu ihrem - in weiten Teilen der deutschen Bevölkerung  bis heute - positiv konnotierten Vorzeigeprojekt ausgebaut. Bewusst für die Zukunft und als von Deutschland ausgehendes Weltprojekt propagiert, wirkt der damit begründete Mythos (Reichs-)Autobahn als  „Hitlers größtem Kunstwerk“, auch anhand seiner markantesten Ausprägung in der Region Stuttgart – dem Drackensteiner Hang – kontinuierlich nach.

Stef Stagel und Steffen Schlichter haben als ststs im Rahmen ihres künstlerischen Projekts zum Drackensteiner Hang recherchiert, fotografiert, gefilmt, formuliert und kompiliert.

Sie stellen basierend auf der synästhetischen Erfahrung der für die Erbauer sehr wichtigen schwingenden Harmonie von Technik und Landschaft kritisch künstlerische Bezüge her und beleuchten anhand markanter Gesichtspunkte die Kontinuität eines „deutschen“ Phänomens, um die (Reichs-) Autobahn als monumentalstes und prestigeträchtigstes Bauwerk des Dritten Reichs nicht als Denkmal zu würdigen, sondern im Licht eines Mahnmals zeigen zu können.

Der in diesem Rahmen erscheinende „ststs – Autowanderführer“, der dem Leser eine individuell durchführbare, angeleitete Erkundungsmöglichkeit des Drackensteiner Hangs an die Hand gibt, versucht anhand historischer Dokumente und eigenen Erkundungen und Beobachtungen von ststs, Verknüpfungen zwischen Vergangenheit und Gegenwart aufzuzeigen, deren ungebrochene, oft unhinterfragte Kontinuität unangenehm berührt und zu mehr aktiver, reflektierter Auseinandersetzung mit dem nationalsozialistischen Erbe auffordert.

Er erscheint in der Stuttgarter EDITIONrandgruppe mit 72 Seiten, 14 farbigen Fotos, 22 historischen Aufnahmen, 2 Karten sowie 16 Dokumenten, einer Fotocollage von ststs als Einleger und einem Text von Harry Walter.

Veranstaltungen im Rahmen von

ststs
Edle Strecken und Kunstbauwerke
zur Kontinuität einer fragwürdigen Mobilisierung – der Drackensteiner Hang als Mahnmal

23.04. und 30.04.2022 , jeweils 14 Uhr

ststs bieten an zwei Tagen persönlich geführte Autowanderungen im Bereich des Drackensteiner Hangs an. Startpunkt ist jeweils der P+M-Pendlerparkplatz vor der Autobahnmeisterei an der Ausfahrt Kirchheim/Teck-Ost der A8 Fahrtrichtung München.

Dauer der Autowanderung ca. 3,5 Stunden, davon etwa 2 Stunden Autofahrt und 1,5 Stunden Wanderung. Gutes Schuhwerk und etwas Proviant wird empfohlen. Nach einer verbindlichen Anmeldung (Unkostenbeitrag 5 Euro) können Fahrgemeinschaften gebildet und eventuell ein gemeinsamer Abschluß mit Abendessen vereinbart werden.

Es können pro Termin maximal 12 Personen teilnehmen. Einige wenige Plätze sind noch frei. Anmeldung bitte unter bozzettiremove-this@remove-thiswkv-stuttgart.de

01.05.2022, 16 Uhr

Sonderveranstaltung in den Querungen im WKV in Zusammenarbeit mit dem IGmA (Institut für Grundlagen moderner Architektur und Entwerfen, Universität Stuttgart):

„Rechte Räume – Ein Atlas autoritärer (Meta-)Politiken in Architektur, Urbanismus und Kultur“ – Vorstellung der Forschungsplattform und Diskussion

Mit Stephan Trüby und Philipp Krüpe
www.rechteraeume.net

 

 

 

 

 

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