Künstlerische Beiträge: 200 Jahre Gegenwart. Konstellation 1
Daniel García Andújar, Cancel Culture, 2023–2025
30 Fine Art Prints, Farbe, je 28 x 35 cm
Courtesy: Daniel García Andújar
Die Serie digitaler Grafiken basiert auf generativen KI-Systemen. Sie repräsentiert ein Archiv statistisch ermittelter Bilder, die in Form von Stichen, Gemälden oder Fotografien Szenen von Aufständen und Unruhen zeigen. Dabei werden politische Monumente angegriffen, gestürzt oder es sind nur noch ihre Überreste zu sehen. Generiert wurden die Bilder durch die Eingabe von Beschreibungen in natürlicher Sprache, sogenannter „Prompts“, die sich unter anderem auf historische Bilder aus dem Archiv des WKV beziehen.
Der Titel Cancel Culture beruht auf den ambivalenten Erfahrungen des Künstlers im Umgang mit KI-Systemen, die sich in der Regel im Besitz von Unternehmen befinden, die deren Funktionen regulieren. Dabei werden strenge Verfahren der Moderation von Inhalten angewandt, um vor Diskriminierung, Gewalt oder Hassreden zu schützen. Diese gesellschaftlich relevante Moderation führt aber auch dazu, dass Inhalte undifferenziert ausgefiltert werden. Einzelne Techfirmen haben diese Kontrollsysteme nun ebenso undifferenziert abgeschafft – im Einklang mit der rechtsextremen Regierung der USA. Als ein weiteres Problem von KI-Systemen hat sich ihre Anfälligkeit für „algorithmische Voreingenommenheit“ – genannt Bias – erwiesen. Innerhalb der Lernprozesse von KI schreiben sich Stereotypen von Geschlecht, race, sozialer Herkunft, Religion etc. ein, was zur Verzerrung von Ergebnissen führt, was Diskriminierung zur Folge haben kann. Die Arbeit untersucht, wie sich Darstellungspraktiken von KI zur Thematik sozialer Revolte verhalten.
Daniel García Andújar, Entfremdung (Marx/Hegel), 2025
Video, Farbe, Ton, 1:17 Min.
Courtesy: Daniel García Andújar
Eine KI lässt die Geister von Marx und Hegel wiederauferstehen.
Stan Douglas, Courtroom, 2007
C-Print, kaschiert auf Aluminium, 90 x 100 cm
Edition des WKV und der Staatsgalerie Stuttgart
Courtroom ist eine Edition von Stan Douglas, die im Zuge der großen Einzelausstellung, die der WKV dem Künstler 2007 in Zusammenarbeit mit der Staatsgalerie Stuttgart widmete, entstanden ist. Die Fotografie zeigt einen der Drehorte der Videoarbeit Vidéo. Diese verbindet Samuel Becketts Film Film von 1965 mit Franz Kafkas Der Prozess (1925 posthum erschienen) und Jean-Luc Goddards Zwei oder drei Dinge, die ich von ihr weiß (1967). Vidéo ist eine frühe Arbeit, in der Justiz und Polizei im Kontext von Racial Profiling thematisiert werden.
Luise Duttenhofer, Diverse Scherenschnitte, um 1820
(* 1776; † 1829 in Stuttgart)
Courtesy: Privatsammlung Stuttgart
Luise Duttenhofer gehörte mit ihrem Mann, dem Kupferstecher Christian Duttenhofer, der an dem Gründungsprozess des WKV beteiligt war, zum gehobenen Stuttgarter Bürgertum und war häufiger Gast der verschiedenen Salons. Sie wollte Malerin werden, doch ihre Familie verwehrte ihr eine entsprechende Ausbildung. Stattdessen griff sie zur Schere. In ihren Scherenschnitten kommentiert sie mit Kritik, Satire und Ironie die Eitelkeiten ihrer Zeitgenoss*innen sowie ihre eigene Rolle in der Gesellschaft.
Christoph Irrgang, ohne Titel (Hermannsdenkmal), 1992
Serie von fünf Schwarzweiß-Fotografien, hergestellt mit einer Auflage von 11 Stück als Multiple in grüner Box
Ausstellungskopie, Foto-Abzüge auf Baryt-Papier, Motivmaße: 24 x 16 cm
Courtesy: Christoph Irrgang
Christoph Irrgangs Fotografien stammen vom Hermannsdenkmal, der 53 Meter hohen Kolossalstatue im Teutoburger Wald. Sie zählt zu jenen Bauwerken des 19. Jahrhunderts, die für die Bildung einer nationalen Identität und eines nationalen historischen Narrativs in Deutschland stehen. Irrgang setzt sich mit der Monumentalität des Denkmals auseinander, dessen architektonischer Umraum die Wahrnehmung gestaltet.
Vika Kirchenbauer, Compassion and Inconvenience, 2024
Ein-Kanal-Video, Farbe, Ton, 30 Min.
Courtesy: Vika Kirchenbauer
Vika Kirchenbauers essayistisch-performative Videoarbeit Compassion and Inconvenience (2024) setzt sich mit den Ursprüngen öffentlicher Kunstausstellungen im London des 18. Jahrhunderts auseinander, deren Entstehungskontexte sie neu verortet. Eine wenig beachtete Fürsorgeeinrichtung für „verlassene Kleinkinder“ wird zum Ausgangspunkt der Gründung europäischer Kunstinstitutionen, in denen sich privatwirtschaftliche und koloniale Interessen mit Vorstellungen von Wohltätigkeit und dem Streben nach menschlicher Veredelung überschneiden. Die begleitenden Konflikte und Diskurse zeigen, wie eine Rhetorik der Demokratisierung bei gleichzeitigem Bemühen um Klassendifferenzierung das Kunstfeld schon früh prägte. Die Arbeit rekonstruiert zum Beispiel, wie die damaligen Künstler*innen das Eintrittsgeld für Ausstellungen erfanden, um diejenigen auszuschließen, denen in ihren Augen die Fähigkeit fehlte, Kunst zu beurteilen. Damit wirft Kirchenbauer nicht nur Fragen nach den Kontinuitäten institutionalisierter Ausschlüsse und Formen von Gewalt auf, sondern auch nach der Art und Weise, wie das Selbstverständnis von Künstler*innen in diese verstrickt ist. Im Zentrum der Videoarbeit stehen fünf Performer*innen, die Texte aus der britischen Philosophie und Theologie des 18. Jahrhunderts rezitieren, die den Geist der ersten öffentlichen Kunstausstellungen Großbritanniens spiegeln, sowie aus Protokollbüchern, in denen konkrete Entscheidungsprozesse festgehalten wurden.
NOH Suntag, Deer, 2008
Fotografien
Courtesy: NOH Suntag, Archiv WKV
Weitere Editionen (Auswahl)
Ricardo Basbaum, 4br, 2006
Fine Art Print kaschiert auf Dibond, 63 x 46 cm
Edition des WKV
Bruno Demattio, stuttgart-stammheim-jail-fuck, 1970
Siebdruck, 46 x 35 cm
Edition des WKV
HAP Grieshaber, Wald. Umweltschutz, 1972
Farbholzdruck auf Werkdruckpapier, 97 x 67 cm
Archiv des WKV
John Hillard, Off Screen (No. 5), 1999
Irisprint, 30,5 x 38,5 cm
Edition des WKV
Ferdinand Kriwet, Poem Print, 1971
Acryl auf Kunststoff auf Holz, 126 x 126 cm
Edition des WKV
Antoni Muntadas, Warning: Perception Requires Involvement, 2003
C-Print, Edition
Courtesy: Privatsammlung
Anna Oppermann, Anders Sein („Irgendwie so anders…“) Portrait A.O., 1980–2007
Schwarzweißfotografie auf Baryt-Papier, 60,5 x 50 cm
Edition des WKV
Dan Perjovschi, Stuttgart 21, 2011
Siebdruck, 21 x 29,7 cm
Edition des WKV und Künstlerhaus Stuttgart









