Tableau: Der Bürger und der Souverän

Gestaltung: Till Gathmann

TEXTE (Auswahl)

„Die Bestie und [et] der Souverän, die Bestie ist [est] der Souverän, so würde sich unser Paar ankündigen, ein Paar, ein Duo, ein Duell gar, aber auch ein Bund, fast eine Vermählung …“ Jacques Derrida

1806–1816
König Friedrich von Württemberg
herrscht als absoluter Monarch.

1816–1864
Mit König Wilhelm I. von Württemberg
erhält das Königreich eine Verfassung, die den Landständen Mitbestimmung gewährt.

1827
Gründungsmitglied und erster Vorsitzender des WKV (bis 1832)
Gottlob Heinrich Rapp,

seit 1821 von
(*1761 in Stuttgart; † 1832 ebenda)
Porträt von Philipp Friedrich Hetsch, um 1815
Gottlob Heinrich Rapp ist der Prototyp des sich im 19. Jahrhundert etablierenden einflussreichen Bildungs- und Besitzbürgers. Er betätigt sich als Kaufmann, Bankdirektor, Künstler und Kunstmäzen, Schriftsteller, Staatsbeamter, Dilettant (Selbstbezeichnung), Steindruck- und Gartenbautheoretiker und vieles mehr. In seinem und Friederike Rapps Haus in der Stiftstraße 7 treffen sich nicht nur die künstlerischen Eliten der Stadt, darunter zahlreiche Professoren und einstige Studierende der ehemaligen Hohen Karlsschule, sondern auch Goethe und Schiller sind hier zu Gast. Rapp übernimmt in jungen Jahren die Tuchhandlung seines Vaters, ihm werden die Leitung der herzoglichen Spiegelfabrik und Königlichen Tabakregie, die Kontrolle und später Direktion der Königlichen Hofbank und zahlreiche politische Ämter übertragen. Er ist Schwager von Johann Heinrich Dannecker, Onkel von Gustav Schwab und Schwiegervater von Sulpiz Boisserée. 1807 gründet er mit Johann Friedrich Cotta das Morgenblatt für gebildete Stände und 1827 mit diesem und zahlreichen weiteren Personen des gehobenen Bürgertums den WKV. Da der Hof sich zunehmend von seiner Kunstförderung zurückzieht, bilden Organe wie das Morgenblatt und der WKV wichtige Plattformen zur Erschließung neuer Öffentlichkeiten und Käuferschichten für die Kunst. Denn mit der Unabhängigkeit von Hof und Kirche fällt die neue Freiheit der Kunst auch mit ihrer Prekarisierung und Abhängigkeit von neuen Märkten zusammen.

1827
Gründungsmitglied des WKV
Johann Friedrich Cotta,

seit 1822 Freiherr Cotta von Cottendorf
(*1764 in Stuttgart; † 1832 ebenda)
1787 übernahm Johann Friedrich Cotta das 1659 in Tübingen gegründete Familienunternehmen, die Cotta’sche Verlagsbuchhandlung, deren Sitz er 1810 nach Stuttgart verlegte. Er baute das Unternehmen zum bedeutendsten Verlag der deutschen Klassik auf und wurde mitunter als „Bonaparte unter den Buchhändlern“ (Carl August Böttiger, 1807) bezeichnet. Durch diverse Ämter und insbesondere als Ständevertreter hatte er großen politischen Einfluss. Mit anderen Figuren der Stuttgarter Gesellschaft prägte er das kulturelle Leben. Neben Büchern verlegte Cotta verschiedene Zeitungen und Zeitschriften, darunter die politische Allgemeine Zeitung sowie das Morgenblatt für gebildete Stände (mit u.a. der Beilage „Kunst-Blatt“). Aufgrund der starken Zensur im Königreich Württemberg musste er die Redaktion der Allgemeinen Zeitung schließlich nach Ulm und später Augsburg verlegen. Cotta kämpfte unermüdlich um Pressefreiheit und Autorenrechte. Zugleich unterstütze er König Wilhelm I. politisch und erhielt dafür zahlreiche Privilegien. „Gerade an Cotta, in dem man wegen seiner unzähligen unternehmerischen Aktivitäten, wegen seines Einsatzes gegen die Zensur … gern den Prototyp des dynamischen Bürgers sehen möchte, zeigt sich, welche Faszinationskraft im frühen 19. Jahrhundert noch von der höfisch-adeligen Welt ausging. Der ‚unabhängige‘ Cotta ließ sich in diese einbinden, um dort seine soziale Anerkennung zu finden.“ (aus: Baden und Württemberg im Zeitalter Napoleons, Ausst.-Kat., 1987. Bd. 1.1, S. 338 f.)

1827
Gründungsmitglied des WKV
Gustav Schwab

(* 1792 in Stuttgart; † 1850 ebenda)
Porträt von Carl Jakob Theodor Leybold, 1825
Der Pfarrer, Gymnasialprofessor und Schriftsteller Gustav Schwab wird zur Schwäbischen Dichterschule gerechnet. Mit seinen Sagen des klassischen Altertums (1838–1840) schuf er einen Klassiker der deutschsprachigen Kinder- und Jugendliteratur. Er hat die großen Epen der Antike aus Originaltexten zusammengetragen, ins Deutsche übersetzt, Kürzungen vorgenommen und dabei gewaltsame und erotische Passagen abgemildert oder entfernt. Er und weitere Schriftsteller der Schwäbischen Dichterschule gerieten in einen Streit mit Heinrich Heine, der die Schule scharf kritisiert hatte. Ihre verbalen Angriffe gegen Heine offenbaren stark antisemitische und rassistische Züge.

1827
Gründungsmitglied des WKV
Heinrich Wagner
Ministerialregistrator, Sekretär von Johann Heinrich Dannecker
Wagner setzt die Idee durch, einen Kunstverein zu gründen, der Werke ankauft und per Los an die Mitglieder ausschüttet
Porträt um 1840

1864–1891
Als König Karl von Württemberg
regiert, wird das Königreich zum Gliedstaat des Deutschen Reichs.

1891–1918
Während der Regentschaft von König Wilhelm II.
von Württemberg endet die Monarchie in Deutschland.


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