
Where on Earth Are You?
17. Oktober 2026 – 10. Januar 2027
AUSSTELLUNG
Haytham el-Wardany, Jess Flom, Dani Gal, Patricia Gómez / María Jesús González, Johan Grimonprez, Hassan Khan, Rosalind Nashashibi, Noh Suntag
Die Frage, auf welcher Seite man steht, hat in den letzten Jahren (wieder) enorm an Gewicht bekommen: rechts oder links, arm oder reich, auf der Seite Israels oder Palästinas, vor oder hinter dem Grenzzaun. Die einen Positionen sind wählbar, die anderen nicht – doch in beiden Fällen können sie weitreichende gesellschaftliche und existentielle Folgen haben. Nationale Grenzpolitiken verschärfen sich. Wer versucht, diese Grenzen zu durchbrechen, riskiert sein bzw. ihr Leben. Eine ungewünschte politische Haltung kann den Job, die Reputation oder die Förderung kosten. Während die Grenzüberschreiter*innen der Festung Europa ihr Recht auf etwas anderes als ein prekäres Leben mit großem Mut und Beharrlichkeit einfordern, führt auf der anderen Seite des Zauns die Angst vor dem Verlust von Privilegien dazu, dass Haltung, Solidarität und Empathie schwinden. Die Ausstellung Where on Earth Are You? plädiert dafür, mehr Haltung, Solidarität und Empathie zu wagen. Sie zeigt Werke zeitgenössischer Künstler*innen, die den sich zuspitzenden prekären und autoritären Verhältnissen der Gegenwart auf kritische, widerständige und zugleich empathische Weise begegnen. Im Zentrum stehen dabei Konfliktlinien, die von den geopolitischen Neuordnungen nach dem Zweiten Weltkrieg geprägt sind. Der Titel entstammt dem gleichnamigen Essay der britischen Autorin Frances Stonor Saunders über die Technologien und tödlichen Konsequenzen heutiger Grenzregime.
Ein Ausgangspunkt der Ausstellung ist die Figur des Geflüchteten: als eine Figur, die jene auf den Geburtsort fixierte Konstruktion des Nationalstaats infragestellt. Anstelle der Dehumanisierung geflüchteter Menschen rückt sie deren Insistieren auf Leben und Zukunft in den Blick.
Ein besonderer Fokus gilt Gaza und anderen besetzten palästinensischen Gebieten, deren von völkerrechtswidriger Gewalt, Vertreibung und Zerstörung geprägten Zuständen in Deutschland trotz zehntausender Toter mit weitgehender Apathie begegnet wird. Die Ausstellung zeigt sie als Schwellenorte zwischen Alltag und Eskalation, Leben und Überleben, Isolation und Solidarität, Gewalt und Fürsorge.
Die zunehmenden ideologischen Verhärtungen und autoritären Politiken erinnern in Teilen an die Atmosphäre des Kalten Krieges. Nord- und Südkorea zählen zu jenen nationalen Gefügen, deren Grenzen bis heute aus den geopolitischen Verwerfungen dieser Epoche resultieren. Die Ausstellung nähert sich dieser Lage ebenso wie Momenten innerhalb des Kalten Krieges, in denen andere Formen von Gemeinschaft als der Nationalstaat möglich schienen – wie sie etwa in den dekolonialen und blockfreien Bewegungen der 1950er- und 1960er-Jahre diskutiert wurden.
Das Display der Ausstellung basiert auf der vorangegangenen Ausstellung resistant theatre von siren eun young jung. Es umfasst eine Plattform für Austausch und Diskussion, die auch im Rahmen von Where on Earth Are You ? genutzt wird. Wie in einem Palimpsest schreibt sich die neue in die vorherige Ausstellung ein.
