13.–15. März 2026

Sprache
Freitag, 13. März 2026
Deutsch und Englisch, begleitet von KI-unterstützter Übersetzung
Samstag, 14. März 2026
Deutsch und Englisch mit Simultanübersetzung (Deutsch–Englisch / Englisch–Deutsch)

Anmeldung: volk@wkv-stuttgart.de

Ausführliches Programm

freiheit_de_handout_programm_2026_03.pdf

Thema + Geschehnisse im Vorfeld

Gegenstand des interdisziplinären Symposiums ist die Frage nach der Kunst-, Wissenschafts- und Meinungsfreiheit in Deutschland und anderen liberalen Demokratien. Auslöser hierfür ist die Beobachtung, dass sich kritische Diskurs- und Handlungsräume bei bestimmten Themen zunehmend verengen. Dabei grenzt sich die Veranstaltung klar von rechtspopulistischen Positionen ab, die Diskriminierung – sei es in Form von Rassismus, Sexismus oder Antisemitismus – als ein quasi-natürliches Freiheitsrecht begreifen. Der Begriff der Freiheit selbst wird aus philosophiekritischer, feministischer und antikolonialer Perspektive befragt. 

Im Vorfeld des Symposiums hatte sich die Deutsch-Israelische Gesellschaft (DIG) Stuttgart in einem offenen Brief an Vertreter*innen der Stadt gewandt und die Streichung der Mittel gefordert. Sie wirft der Veranstaltung ohne jegliche Grundlage „israelfeindliche Propaganda“ vor und diffamiert die Teilnehmer*innen – darunter auch jüdische Forscher*innen – als „antisemitische Akteure.“

Der WKV weist diese Vorwürfe entschieden zurück. Weder die Veranstaltung noch ihre Beitragenden noch der WKV vertreten, fördern oder relativieren Antisemitismus. Im Gegenteil.

Das Kulturamt der Stadt Stuttgart überprüfte das aktuelle Konzept des Symposiums noch einmal und zog schließlich die Förderung zurück. Es begründet diesen Schritt mit fachlichen Einwänden. Es folgte damit nicht den Vorwürfen der DIG, wohl aber deren Forderung, dem Vorhaben die finanziellen Mittel zu entziehen.

Der WKV startete daraufhin eine Spendenaktion, die in kürzester Zeit den Fehlbetrag kompensierte.(1)

Die Relevanz des Symposiums und seiner Fragestellungen wird durch diese Ereignisse unterstrichen. Auch die jüngsten Debatten um staatliche Eingriffe in Kulturinstitutionen und -veranstaltungen wie die Berlinale, der Buchhandlungspreis oder die Kunstakademie Düsseldorf zeigen, dass der politische Druck auf die Kunst-, Wissenschafts- und Meinungsfreiheit in Deutschland gestiegen ist – und dass darüber gesprochen werden muss. Nicht zuletzt haben die vielen Spender*innen die Notwendigkeit dieser Debatte zum Ausdruck gebracht. 

Wir hoffen, dass von diesem Symposium ein Signal an die Kulturpolitik ausgeht, diese Diskussion im engen und offenen Austausch mit Institutionen, Organisationen und Akteur*innen aus Kunst, Wissenschaft und Gesellschaft zu führen.

Das Symposium

Auslöser des geplanten Symposiums ist die wachsende Sorge um die Freiheit, Unabhängigkeit und Freiräume von Kunst, Wissenschaft und Gesellschaft in Deutschland und anderen liberalen Demokratien. 

Über die Kontexte und Tragweiten dieser Sorge sowie über mögliche Strategien zum Umgang damit möchten wir auf transdisziplinärer Ebene diskutieren: Das heißt in und zwischen den Diskursen von Philosophie, Politik-, Rechts- und Kulturwissenschaften.

Die modernen Konzepte von Freiheit und Autonomie entstehen mit der Aufklärung, deren nicht nur emanzipatorische, sondern auch sexistische, rassistische, klassistische und koloniale Verflechtungen Gegenstand jüngerer transdisziplinärer Forschung und Theorie sind. Freiheit und Unabhängigkeit stellen keine fixen, sondern permanent zu erstreitende soziale Verhältnisse dar. 

Das Symposium setzt an diesen Fragen an. Zudem diskutiert es die Beobachtung, dass sich kritische Diskurs- und Handlungsräume bei bestimmten Themen – insbesondere im Kontext der Debatten um die deutsche Staatsräson, aber auch beim Klimaaktivismus oder beim Aktivismus gegen Rechtsextremismus – zunehmend verengen. Die Veranstaltung grenzt sich dabei ausdrücklich von rechtspopulistischen Positionen ab, die Diskriminierung – sei es in Form von Rassismus, Sexismus oder Antisemitismus – als vermeintliches Freiheitsrecht zu legitimieren versuchen. Diskriminierung ist kein Recht.

Die wachsende politische Einflussnahme auf Kunst, Wissenschaft, Gesellschaft erfolgt weniger auf rechtlicher Basis, sondern vielmehr über die Androhung (und Umsetzung) des Entzugs öffentlicher Förderung und öffentlich geförderter Räume sowie der Aberkennung des legalen Status – von der Gemeinnützigkeit bis zum Aufenthaltsrecht (2). 

Dies sowie die Erfahrungen eines teils enormen Drucks, der von klassischen und sozialen Medien ausgeübt wird, führen zunehmend zu Selbstzensur und Zensur (3). Organisationen und Institutionen geben den Druck in nicht seltenen Fällen weiter: Sie laden Personen aus – oder gar nicht erst ein –, durchleuchten Biografien und Social-Media-Posts, nehmen Preise zurück, lösen Arbeitsverträge auf oder sehen von Einstellungen ab. Sie fordern eindeutige Bekenntnisse und Widerrufe. Vertreter*innen von Institutionen, die auf ihren Autonomiestatus beharren, werden im schlimmsten Fall politisch angegangen (4). 

Im Rahmen des Symposiums werden die Hintergründe und Folgen der genannten Entwicklungen aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet. Sie sollen zudem im Kontext eines weltweiten Erstarkens autoritärer, rechtspopulistischer und rechtsextremer Kräfte, die sich primär gegen die Freiheit von Kunst, Kultur, Wissenschaft und Migration richten, diskutiert werden.

Zugleich wollen wir über die Strukturen und Relevanz teils neu entstandener Netzwerke, Plattformen und Initiativen sprechen, die sich für die Erhaltung und Stärkung offener und pluraler Diskursräume einsetzen, wie zum Beispiel die Allianz für Kritische und Solidarische Wissenschaft (KriSol) (5), der Verein Palästinensischer und Jüdischer Akademiker*innen (PJA) (6) oder Diaspora Alliance (7).  

Zentrale Frage des Symposiums ist, wie die Diskussion um Freiheit, Unabhängigkeit und Freiräume – einschließlich ihrer Grenzen und Widersprüche – auf offene, kontroverse und zugleich diskriminierungssensible Weise geführt werden kann. 

Welche ethischen, politischen und rechtlichen Grundlagen und Methoden sind dabei relevant? Wie können und sollten sich Institutionen und Zivilgesellschaft hier positionieren? 

Eine Veranstaltung von
Württembergischer Kunstverein Stuttgart

Kuratiert von
Iris Dressler, Hans D. Christ

Eintritt
Auf Spendenbasis

Fussnoten

1 Siehe: https://www.wkv-stuttgart.de/programm/2026/veranstaltungen/spenden

2 Die Resolution des Deutschen Bundestags „Nie wieder ist Jetzt …“ (2024) macht explizit Migrant*innen „aus den Ländern Nordafrikas und des Nahen und Mittleren Ostens“ für ein „erschreckende[s] Ausmaß“ an Antisemitismus in Deutschland verantwortlich. Siehe: https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2024/kw45-de-juedisches-leben-1027708.

3 Das Archive of Silence listet nahezu 200 Fälle in Deutschland.

4 Siehe: https://taz.de/Einladung-palaestinensischer-Kuenstlerin/!6150741

5 https://krisol-wissenschaft.org

6 https://pja-verein.de

7 https://diasporaalliance.co

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